Mit Körnern Menstruationsbeschwerden im Griff

Wer hätte das gedacht. Die weibliche Menstruation hat in den letzten Wochen den Sprung aus den Frauenmagazinen in die deutschen Leitmedien geschafft. Und das ist gut so – ebenso wie der Anlass: Der spanische Ministerrat beschließt Menstruationsurlaub. Zwar muss das Gesetz noch vom Parlament bestätigt werden. Ich glaube aber, das ist nur eine Frage der Zeit. Jetzt können wir uns sicher über die Begrifflichkeit des „Urlaubs“ streiten. Wenn Symptome wie Unterleibsschmerzen, Erschöpfungszustände und Migräne etwas nicht sind, dann Urlaub. Aber darüber soll an anderer Stelle diskutiert werden. Was mich und viele andere Kollegen umtreiben sollte und auch umtreibt ist viel mehr Frauen dabei zu helfen, die Zyklusprobleme, mit denen sie kämpfen, in den Griff zu bekommen. Die Schulmedizin hat bisher lediglich Hormonhämmer wie die Anti-Baby-Pille hervorgebracht und selbst die Naturheilkunde geht mit hormonähnlichen Ersatzstoffen oder mit Homöopathie an das Thema heran.

Es kann so einfach sein

Alle angesprochenen Lösungen erfordern immer den Gang in die Apotheke – bei der Pille sogar das ärztliche Rezept. Dabei geht es viel einfacher. Neben Entspannungs-Hilfsmitteln wie Wärmflaschen, Kräutertees und der ein oder anderen Yogaübung, die vielen Frauen auch intuitiv schon nutzen, rate ich ihnen in meiner Praxis dazu, mit Körnern zu arbeiten. Diese Methode wende ich seit neuem erfolgreich an. Das Seed-Cycling, also die Rotation der Einnahme verschiedener Kerne, sorgt dafür, dass sich die hormonelle Balance einpegelt. Sind die Hormone im Ungleichgewicht, verursacht das Zyklusstörungen und Regelbeschwerden, die über das völlig normale Ziehen im Unterleib hinausgehen. Dafür unterteilen wir den Zyklus in zwei Teile.

  1. Die Follikelphase:

Diese Phase beginnt am ersten Tag der Menstruation. Ein Follikel, dieses bläschenartige Gebilde in den Eierstöcken, beherbergt eine Eizelle, die darin ausreift. Am Anfang dieser Phase bis zum Eisprung unterstützen täglich je ein Esslöffel geschroteter Leinsamen und gemahlene Kürbiskerne diesen Reifeprozess. Omega-3-Fettsäuren, Lignane – das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zu den so genannten Phytohormonen gezählt werden – und der Immunbooster Zink sorgen dafür, dass in den Eierstöcken alles so abläuft, wie es soll.

  1. Die Gelbkörperphase oder Lutealphase:

Ausgehend von einem 28-Tage-Zyklus befinden Sie sich in den zweiten 14-Tagen Ihres Zyklus in der Gelbkörperphase – also in der Phase, in der die Hormone Östrogen und Progesteron gebildet werden. Östrogen kennen wir auch als weibliches Sexualhormon, Progesteron nennen wir auch Gelbkörperhormon. Diese beiden Wunderstoffe haben einen wichtigen Anteil am Ablauf der Menstruation. Deshalb ist es so wichtig, dass die Bildung unterstützt wird. Mit der täglichen Einnahme je eines Esslöffels Sesam und Sonnenblumenkerne unterstützen Sie optimal die Bildung von Progesteron in der Leber. Omega-6-Fettsäuren, Selen und wieder Lignane erledigen sind auch dafür am Start.

Große Wirkung bei etwas Ausdauer

Es gibt, übrigens, auch noch weitere positive Nebenwirkungen beim Seed-Cycling. Sie verlieren weniger Haare, schlafen besser und bekommen Heißhunger-Attacken und Schlafstörungen in den Griff. Diese sanfte Methode eignet sich für jeden und ist denkbar einfach in der Handhabung. Sie können die Körner zum Beispiel in Ihr Müsli einrühren oder sie pur als Snack zwischendurch genießen. Aber bitte immer genug dazu trinken. Ein Haken hat das Seed-Cycling jedoch. Im Gegensatz zur Chemiekeule Anti-Baby-Pille, die sofort Wirkung zeigt, dauern die Maßnahme, typisch für Hilfe aus der Natur, etwas länger. Drei Zyklen sollten Sie Ihrem Körper schon Zeit geben, um unerwünschte Nebenwirkungen bei der Menstruation mit Körnen in den Griff zu bekommen.

Mikronährstoffe – kleine Wunder für unsere Zellen

Wir wollen alle gesund bleiben bis ins hohe Alter – kein Wunder, dass der Vorsatz, gesünder zu leben, alle Jahre wieder zu den beliebtesten Neujahrsvorsätzen gehört. Leider bleibt es oft beim Wünschen und wir essen dauerhaft ungesund. Und was wir über die oft unausgewogene Ernährung nicht abdecken können, versuchen wir mit „Pillen“ zu substituieren. Viele werfen alles ein, was ihnen in die Finger kommt oder von einem der zahlreichen Gesundheitsgurus gepredigt wird: Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme und noch einiges mehr. Ein fataler Fehler. Falls Sie auch zu denjenigen gehören, schmeißen sie nicht nur Geld zum Fenster hinaus, sondern gefährden, wenn es schlecht läuft, sogar ihre Gesundheit.

Was sind Mikronährstoffe eigentlich?

Vorneweg möchte Ihnen eine kurze Einführung an die Hand geben: Die Stoffe, die wir zum Leben brauchen, werden gemeinhin unterteilt in Makro- und Mikronährstoffe. Makronährstoffe wie Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß liefern vor allem Energie. Sie halten den Körper also zunächst einmal am Laufen, und sorgen, wenn wir zu viel von ihnen konsumieren, dafür, dass wir zunehmen. Ein Grund, warum wir die Angaben zu den Makronährstoffen inzwischen auf jeder Nahrungsmittelverpackung einfach nachlesen können. Mikronährstoffe hingegen sorgen dafür, dass unsere Zellen wachsen, sie kümmern sich darum, dass unser Körper neue Blutkörperchen bildet, dass unsere Haut sich regelmäßig erneuert, unsere Knochen stabil und die Muskeln fest und flexibel bleiben.

Ich kann an dieser Stelle unmöglich alle Mikronährstoffe und ihre Einsatzgebiete behandeln. Aber ich hoffe, meine Beispiele geben Ihnen einen Überblick und zeigen, warum niemand selbständig mit großen Mengen und hohen Dosen hantieren sollte.

Fehlinformationen und Mythen

Zu den Mikronährstoffen gehören zum Beispiel Vitamin C, das vermeintlich vor Erkältungen und anderen Infekten schützen soll – was inzwischen in mehreren Studien widerlegt wurde. Oder auch Vitamin B12 – das nicht nur Veganern heutzutage oft fehlt. Mythen ranken sich aber nicht nur um Vitamine. Wahrscheinlich haben sie schon einmal im Zusammenhang mit Fatburnern von der Aminosäure Lysin gehört. Diesen Botenstoff brauchen wir für unseren Fettstoffwechsel. Mit Lysin angereicherte Produkte sind also beliebt bei allen, die ihre Figur halten oder dringend abnehmen möchten. Aber auch Sportler schwören auf die Substitution der proteinbildenden Aminosäuren, die wir zur Bildung von Gewebe benötigen – also für unsere Organe, Haut, Muskeln oder Haare.

Wer viel trainiert, nimmt oft sogar sehr hohe Dosen der so genannten BCAAs – Branched Chain Amino Acids – ein. Zu deutsch: verzweigtkettige Aminosäuren. Valin, Leucin und Isoleucin, kann der Körper nicht selbst bilden. Sie sollen beim Sport unter anderem den Glykogenspeicher in den Muskeln erhalten und damit für die ständige Energiezufuhr sorgen, ohne, dass der Körper während intensiver Trainingseinheiten Gewebe abbaut. Einen wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit gibt es jedoch nicht. Was wir aber wissen: Die BCAAs konkurrieren mit der Aminosäure Tryptophan um den Transport ins Gehirn. Da Tryptophan eine Vorstufe für den Glücks-Botenstoff Serotonin ist, kann es, wenn nicht genug davon zu unserem Gehirn vordringt, für schlechte Stimmung sorgen. Auch Depressionen sollen so bereits ausgelöst worden sein. Wird hingegen zu viel Tryptophan gemeinsam mit Antidepressiva eingekommen, kann es auch zu dem so genannten Serotonin-Syndrom kommen, das zu Angst- und Unruhezuständen führt.

Die Industrie boomt

Obwohl häufig die wissenschaftlichen Erkenntnisse fehlen und sowohl Ärzte als auch Heilpraktiker längst wissen, dass zahlreiche Zusätze im Übermaß eingenommen werden, boomt die Industrie wie kaum eine andere. Der Grund: Es lässt sich damit sehr viel Geld verdienen. Schätzungen zufolge sprechen wir von einer Verdopplung des aktuellen Marktvolumens der Nahrungsergänzungsmittelindustrie bis 2028. Bereits 2020 wurden mit Supplements über 120 Milliarden Euro umgesetzt. Wir sprechen also über mehr als 200 Milliarden Ende des Jahrzehnts.  Das hängt auch mit der COVID-19-Pandemie zusammen. Denn seither liegt der Fokus weltweit noch stärker auf unserer Gesundheit. Viele haben plötzlich den Sport wiederentdeckt – andere halten sich vor allem mit der Zufuhr von Mikronährstoffen „fit“. Und die Industrie reagiert, wirbt und produziert, was das Zeug hält.

Wertvolle Unterstützung

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin dankbar, dass uns Heilpraktikern so viele wertvolle Stoffe für die Behandlung unserer Patienten zur Verfügung stehen. Und sicherlich bedarf auch nicht jedes hin und wieder eingenommene Vitamin-C-Präparat der vorherigen Abklärung mit einem Mediziner. Aber bekanntlich macht die Dosis das Gift. Wie hoch diese Dosis wovon sein muss, dass sollten alle mit dem Arzt oder Heilpraktiker ihrer Wahl abklären. Denn, wenn wir über Mikronährstoffe sprechen, behandeln wir ein Thema, das so komplex und individuell betrachtet werden muss, wie jeder einzelne menschliche Körper.

Persönlich nutze ich zum Beispiel gern Kurkuma. Das wirkt in vielen Fällen sogar besser als Kortison. Forscher der Universität des Saarlandes haben sogar nachgewiesen, dass Curcumin, also der Inhaltsstoff des gelben Gewürzes Kurkuma, Entzündungen hemmt. Es bedarf sicher noch weiterer Validierung. Aber ich sehe hier die Chance, dass in vielen Fällen auf Kortikoid-haltige Arzneimittel verzichtet werden kann. Damit fallen zahlreiche unangenehmen Nebenwirkungen wie beispielsweise Bluthochdruck, Erhöhung des Blutzuckers, Osteoporose oder Gewichtszunahme weg. Außerdem wirkt Curcumin wachstumshemmend bei Krebszellen, löst sogar deren frühzeitigen Zelltod aus. Es kann zusätzlich Krebszellen empfänglicher für die Wirkung von Chemotherapie und Bestrahlung machen. Diese Aussagen passen aber natürlich nicht für alle Krebserkrankungen. Daher gilt auch hier: bitte keine Eigentherapie!

Viel nützt nicht immer viel

Der Viel-hilft-Mythos ist im Zusammenhang mit Mikronährstoffen grundlegend falsch oder kann sogar gefährlich werden. Denn die Einnahme dieser kann auch zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten führen. Biotin beispielsweise, das oft zur Förderung des Haarwachstums eingesetzt wird, kann die Schilddrüsenwerte beeinflussen, Kalium sollte nicht ohne Absprache mit Medikamenten gegen Bluthochdruck kombiniert werden. Die sind in der Regel genau auf den Patienten abgestimmt. Kalium als natürlicher Blutdrucksenker greift aktiv in die Dosierung ein.

Gehen Sie davon aus, dass fast jede Einnahme von Mikronährstoffen die Wirkstärke und die Verträglichkeit von schulmedizinischen Medikamenten beeinflusst. Das liegt zum Beispiel daran, dass sie die Resorptionsrate, also die Menge, des Arzneimittels, die im Körper aufgenommen wird, beeinträchtigen. Auf der anderen Seite wirbeln zahlreiche Medikamente unseren Mikronnährstoffhaushalt durcheinander. Deshalb kann es sinnvoll sein bei Medikamentengabe Mikronährstoffe zu supplementieren. Dafür bedarf es aber immer einer Blutuntersuchung. Nur so lässt sich klären, ob jemand zum Beispiel unter einem Mangel leidet, der dann durch zeitweise Supplementierung ausgeglichen werden kann oder sogar muss. Bei manchen Beschwerden reicht sogar eine Therapie mit bestimmten, auf die Person abgestimmten Mikronährstoffen als alleinige Medikamentierung aus. Oder einzelne dieser kleinen „Wundermittel“ dienen als unterstützende Maßnahme bei einer schulmedizinischen Therapie.

Mir ist völlig klar, dass der Markt an Nahrungergänzungsmitteln sehr verwirrend sein kann. Ständig treibt die Werbung eine neue Sau in Form von Superfoods und Wundernährstoffen durchs Dorf. Und natürlich wollen wir uns gesund ernähren und erhoffen uns durch ihre Einnahme, einem Nährstoffmangel vorzubeugen und unser Immunsystem zu stärken. Gerade wenn wir viel Stress haben oder den Körper ständig an seine Grenzen treiben, kann es zu Mangelerscheinungen kommen, die wir zum Beispiel als Dauermüdigkeit, Gereiztheit und einem drastischen Leistungsabfall wahrnehmen. Unser Organismus kann viel, aber nicht alles kompensieren. Die Intention ihn zu unterstützen ist also zunächst einmal gut. Aber eine Selbstmedikation – darum handelt es sich auch bei der Einnahme von Mikronährstoffen, ist in sehr vielen Fällen kontraproduktiv und kann im schlimmsten Fall sogar lebensgefährliche Folgen nach sich ziehen.

Aderlass – traditionelle Scharlatanerie oder modernes Naturheilverfahren?

Zugegeben, wenn wir über Aderlass nachdenken, sehen die meisten Menschen ein blutrünstiges Unterfangen vor ihrem inneren Auge, das wir vor allem aus Mittelalterfilmen und -erzählungen kennen. Das liegt daran, dass es bei diesen Geschichten nicht unbedingt um eine realistische Darstellung geht. Viel eher sollen dramatische Bilder erzeugt werden, die mehr der Stimmung im Buch oder Film dienen als der neutralen Abbildung dieser Heilmethode. Häufig wird sogar der Eindruck vermittelt, es handle sich um traditionelle Scharlatanerie, die eher zur Schwächung eines kranken Körpers beiträgt, denn zu dessen Heilung.

Aderlass galt als Allheilmittel

Das mag in einigen Fällen sicher richtig sein. Denn Aderlass galt bis ins 19. Jahrhundert hinein als eine Art Allheilmittel und wurde bei weitem nicht nur sinnvoll eingesetzt. Von George Washington, dem ersten Präsidenten der USA, wissen wir zum Beispiel, dass er 1799, zwei Jahre nach seiner Amtszeit, sogar an übertriebenem Aderlass verstarb. Mit dem heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand würde jedoch die Kehlkopfentzündung des Staatsmannes sicherlich auch nicht mehr durch eine Blutabnahme behandelt werden.

Um ehrlich zu sein, spielte der Aderlass in der Schulmedizin schon viele Jahrzehnte kaum mehr eine Rolle, wenn nicht gar keine mehr. In den letzten Jahren ist diese alte Behandlungsmethode, deren Wurzeln bis in die Antike zurückreichen, aber wieder mehr in Mode gekommen. Die Anerkennung ihrer heilenden Wirkung stieg stark an. Eventuell hängt das damit zusammen, dass Wissenschaftler der Charité in Berlin bereits 2016 nachweisen konnten, dass sich der Bluthochdruck durch Blutspenden effektiv senken lässt. Sicher ist, heute wird die Methode als sanfte Präventionsmaßnahme angewendet, weil sie zur Stärkung des Immunsystems beiträgt. Sie kommt aber auch bei schwerwiegenden Krankheitsbildern zum Einsatz. Im Gegensatz zur Schulmedizin hat sich die Naturheilkunde nie wirklich vom Aderlass abgewendet. Ich selbst nutze ihn schon viele Jahre, auch häufig und sehr erfolgreich in meiner Praxis. Das Anwendungsspektrum ist vielfältig. Generell geht es dabei stets vor allem darum, einen hohen Blutdruck abzusenken und die Viskosität, also die Zähflüssigkeit des Blutes zu verringern, damit es ungehindert fließen kann.

Die Idee des Aderlasses

Kurz gesagt, wir entziehen beim Aderlass dem Körper Blut und wollen damit die Kräfte des Körpers zur Selbstheilung anregen. Verlorenes Volumen kann dabei durch eine Infusion ersetzt werden. Das muss aber gar nicht sein. Denn die Volumenentlastung im Gefäßsystem, für die der Blutverlust sorgt, ist gewollt und gewünscht. Denn Schritt für Schritt fließen Blut und Gewebeflüssigkeit nach und nehmen den Platz des entnommenen Blutes ein. Ferner entsteht ein Reiz, der das Knochemark dazu anregt, neue Blutzellen zu bilden, um die Leukozytenzahl, also die Anzahl weißer Blutkörperchen, zu erhöhen. Diese neuen Blutzellen sind besonders fleißig, „arbeiten“ besser und effizienter als die alten und sorgen dafür, dass unser Blut wieder Schwung bekommt und problemlos überall da hingelangt, wo der Körper es benötigt. Auch Rückstände von Stoffwechselprodukten im Gewebe und eingelagerte Giftstoffe werden dadurch ausgeschwemmt.

Einsatzorte und -möglichkeiten

Ich möchte behaupten, dass es kaum eine Heilmethode gibt, die so weit rumgekommen ist, wie der Aderlass. Die alten Griechen nutzen ihn und auch im Talmud wird er bereits als Heilmethode erwähnt. Er fand seinen Einzug in die ayurvedische Heilkunde und die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ebenso wie in die westliche Gesundheitslehre. In der TCM setzt man auch heute noch gerne den so genannten Mikroaderlass ein. Der sorgt ganz sanft dafür, dass wir Menschen „Dampf“ ablassen können. Mit dem Anritzen bieten wir dem Körper ein Ventil für die Abgabe von zu viel Hitze oder zu viel Qi – also Lebensenergie. Es werden aber nur ein paar Tropfen Blut abgegeben; nur so viel, wie unser Körper reaktiv und ganz freiwillig loslässt.

In den westlichen Industriestaaten und inzwischen auch oft in Schwellenländern dient der Aderlass bis heute besonders zur Behandlung von Zivilisationskrankheiten wie insbesondere Hypertonie. Das ist kein Wunder. Denn unsere Lebensweise begünstigt diesen Bluthochdruck: Wir essen zu fett, zu viel, nehmen an Gewicht zu, setzen uns andauerndem Stress aus, leiden unter der ständigen Lärmkulisse, konsumieren zu viel Alkohol und Zigaretten und verzichten viel zu häufig auf einen körperlichen Ausgleich, treiben also zu wenig Sport und sitzen zu viel. Während Corona bewegten sich einige über Tage hinweg nur zwischen Bett, Kühlschrank und Schreibtisch. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Mit dem Aderlass können wir den inneren Druck, der häufig durch unseren Lebenswandel entsteht, mildern und langfristig entgegenwirken. Dafür werden bei jeder Behandlung bis zu 500 Milliliter venöses Blut abgelassen. Außer dem Druckabbau entziehen wir dem Blut damit Eisen und verdünnen es, um seine Fließeigenschaften zu verbessern.

Polycythaemia, Polyglobulie, Hämochromatose und mehr

Häufig setzen Schulmediziner und Heilpraktiker den Aderlass auch bei Policythaemia vera (PV) ein. Dabei handelt es sich um die Vorstufe einer Art chronischen Blutkrebses, bei dem die Bildung neuer Blutzellen im Knochenmark nicht so störungsfrei funktioniert, wie sie sollte. Deshalb sind die Anzahl der roten Blutkörperchen und damit auch die Hämatokritwerte zu hoch und es besteht die Gefahr von Schwindelanfällen, Kopfschmerzen und starkem Juckreiz. Im schlimmsten Fall kann das Überangebot an roten Blutkörperchen zu Thrombosen, Schlaganfällen oder Herzinfarkten führen. Die regelmäßige Blutabnahme hingegen sorgt für Erleichterung. Das Gleiche gilt für Polyglobulie, die zum Beispiel durch einen zu hohen Flüssigkeitsverlust ausgelöst wird, wie wir ihn bei längeren Magen-Darm-Erkrankungen kennen. Auch Sauerstoffmangel im Blut, zum Beispiel wegen Lungen- oder Herzerkrankungen, aber auch durch Höhenaufenthalte von über 4.000 Meter konnten bereits als Ursache festgestellt werden.

Ferner unterstützt der Aderlass die Behandlung von Hereditärer Hämochromatose, einem vererbbaren genetischen Defekt, der für zu viel Eisen im Blut sorgt und damit zu einer Schädigung von Organen führt, Diabetes mellitus oder Herzinsuffizienz auslöst. Auch bei Porphyria cutanea tarda, einer Stoffwechselerkrankung, die auf der Haut zu Blasenbildung und Verletzlichkeit führt, wenn sie der Sonne ausgesetzt ist. Diesem Symptom geht aber meist eine Schädigung der Leber voraus, die durch Eisenüberschuss, zu hohem Alkoholkonsum, einer Infektion mit Hepatitis-C oder auch die Einnahme von Östrogenen ausgelöst wurde.

Fast keine Nebenwirkungen

Die Behandlung durch Aderlass bringt zusätzlich zum gesundheitlichen Nutzen einen weiteren Vorteil mit sich: Sie hat kaum Nebenwirkungen. Einige Patient*innen leiden unter Schwindel oder Ohnmacht, einer Veränderung der Herzfrequenz durch das starke Absinken des Blutdrucks oder bei ihnen bricht der Schweiß übermäßig aus. Doch diese zugegeben nicht ganz angenehmen Nebenerscheinungen sind in der Regel gut auszuhalten und gehen vorüber, wenn Sie auf eine gute Hydration nach der Behandlung achten. Treten sie auf, lässt sich eine Therapie aber auch schnell abbrechen und die Patient*innen erholen sich danach rasch. Wer allerdings mit akuten Infekten kämpft unter Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz leidet, der sollte nicht zur Ader gelassen werden. Auch Schwangere oder stillende Mütter dürfen so nicht behandelt werden. Bei Krankheit oder Schwangerschaft würden Sie ja auch kein Blut spenden.

Apropos Blutspende, die ist übrigens nichts anderes als ein Aderlass. Bei Spende oder Therapie wird in der Ellenbeuge in eine Vene gestochen und das Blut in einen Beutel abgelassen. Bei beidem sollte der Patient nicht direkt zuvor gegessen haben. Der Genuss von Alkohol und koffeinhaltigen Getränken ist nicht ratsam. Auch in den Tagen danach isst man besser leichte Mahlzeiten und zieht viel Wasser allen anregenden Getränken vor.

Sie sehen, mit den blutrünstigen Bildern aus Mittelalterfilmen hat die heutige Behandlung rein gar nichts zu tun. Sinnvoll angewendet – und davon können wir beim heutigen Forschungsstand ausgehen – verschafft sie bei vielen Leiden im wahrsten Sinne des Wortes Erleichterung und sorgt durch die Anregung der Zellbildung für einen wahren Frischekick im Körper.

Heilpflanze des Monats – Schwarzkümmel

Wussten Sie, dass die Ägypter Schwarzkümmel (Nigella Sativa) bereits seit über 2.000 Jahren als Heilpflanze nutzen? Man sagt, sein Öl wäre sogar eine Grabbeigabe bei Tutanchamun gewesen. Hierzulande kennen wir ihn hauptsächlich als Gewürz zum Beispiel auf Fladenbrot, dass dem Gebäck einen so wunderbar aromatischen Geschmack verleiht.

Aber auch in der Naturheilkunde ist er inzwischen im deutschsprachigen Raum stark im Kommen. Wir Heilpraktiker greifen besonders in der Behandlung von Allergien – zum Beispiel bei Heuschnupfen oder in der Prävention gegen Insektenstiche – gerne auf Schwarzkümmelöl-Kapseln zurück. Zum einen, weil sie fast nebenwirkungsfrei sind. Nur wenige Patienten bekommen leichte Magenprobleme. Und auch diesen können sie vorbeugen, indem sie die Kapseln nicht auf leeren Magen einnehmen. Zum anderen, weil die Kapseln nicht nur hochwirksam, sondern auch wirklich gesund sind.

Was steckt drin im Schwarzkümmel?

Die Liste der Vitamine und Mineralien, die Schwarzkümmel beinhaltet, ist lang. Unter ihnen so wertvolle Stoffe wie Vitamin C, zahlreiche B-Vitamine, Magnesium, Selen und Zink. Bei so viel wichtigen Inhaltsstoffen ist es kein Wunder, dass das Öl Entzündungen hemmt, gegen Bakterien und als Antioxidans wirkt.

Was sagt die Wissenschaft?

Schwarzkümmelöl verfügt über eine antibakterielle, entzündungshemmende, antimykotische und antioxidative Wirkung. Das haben zahlreiche Studien bestätigt und auch aus meiner Praxis weiß ich, wie heilsam das Öl zum Beispiel bei Entzündungen der Mandeln oder dem Rachenraum wirkt. Und auch für unser Immunsystem, das wir ja für die Abwehr aller möglichen Bakterien und Viren so dringend benötigen, ist es ein wahrer Segen.

Doch trotz intensiver Forschung und den vielen positiven Ergebnissen in der täglichen Anwendung gilt Schwarzkümmel immer noch nur als Nahrungsergänzung und wird nicht als Arzneimittel angesehen. Sehr bedauerlich, wenn man bedenkt, bei wie vielen Krankheitsbildern er seine heilende Wirkung entfaltet.

Wofür können wir Schwarzkümmel nutzen?

Wie sehr es, auch bereits in der Prophylaxe bei Allergien hilft, habe ich Ihnen ja bereits in meinem letzten Blogbeitrag geschrieben. Noch weniger bekannt ist seine generelle Hilfestellung für die Atemorgane. Wer regelmäßig Schwarzkümmel zu sich nimmt, kann sogar die Krampfneigung der Bronchien senken. Eine schöne Wirkung für alle, die unter Asthma leiden.

Gut für die Nerven

Für unseren Körper ist ein gesundes Verhältnis von ungesättigten und gesättigten Fettsäuren von großer Bedeutung. Die gesättigten sind in der Regel kein Problem, sie sind zum Beispiel in tierischen Fetten enthalten, von denen wir oft mehr als genug zu uns nehmen. Umso wichtiger, dass wir, zum Beispiel über Schwarzkümmelöl, mehr ungesättigte Fettsäuren zu uns nehmen. Denn nur, wenn die Mischung ausgewogen ist, kann der Körper leistungsfähige Nervenzellen bauen. Und die können wir nun wirklich alle gut gebrauchen.

Hilft bei Diabetes

In mehreren Studien fand man heraus, dass Schwarzkümmel-Samen den Blutzuckerspiegel senken können. Als Monotherapie kann ich den Schwarzkümmel nicht jedem Diabetiker empfehlen. Aber für alle, die noch nicht spritzen müssen, kann Schwarzkümmel die Insulin-Injektionen hinauszögern. Als Zusatztherapie ist er für alle eine tolle Unterstützung für schulmedizinische Medikamente.

Unterstützt Verdauung und Entgiftung

Wenn Sie mit Schwarzkümmel würzen, helfen Sie Ihrer Verdauung. Zum Beispiel lindert er Magenkrämpfe und wirkt gegen Sodbrennen, Blähungen und Durchfall. Aber auch alle weiteren entzündlich Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts therapiert Schwarzkümmel als Entzündungshemmer.

Unsere Nahrung enthält leider auch immer wieder Schadstoffe, selbst wenn wir uns noch so bewusst ernähren. Immer wieder ist der Körper mit schädlichen Chemikalien und allerhand anderer fremder Stoffe konfrontiert, die unserem Essen direkt oder indirekt zugesetzt werden. Klar, dass er schnell mal damit überfordert ist, die dann wieder nach draußen zu kriegen. Hier hilft Schwarzkümmel der Leber beim Abbau von Giftstoffen und seine harntreibende Wirkung unterstützt die Niere.

Es gibt noch zahlreiche weitere gesundheitsfördernde Auswirkungen, die die Einnahme von Schwarzkümmel zum Beispiel auf unser Herz, unsere Haut und unsere Gelenke hat. Sie sehen also, Schwarzkümmel, als Samen oder auch als Öl ist ein kleiner Wunderhelfer für unseren Körper. Wenn Sie Fragen dazu haben, wie er Ihre Vorsorge oder auch Ihren Heilungsprozess unterstützen kann, sprechen Sie mich gerne an oder machen Sie einen Termin in der Praxis.

Ihr Roland Tennie